In den letzten Jahrzehnten galt bei den großen Konzernen vor allem eins: die Maxime Gewinnmaximierung. Jetzt sollen einige der größten US-Konzerne diese bisherige Weisheit über den Haufen geworfen haben. Apple, Amazon, SAP sowie Goldman Sachs wollen die Abkehr vom Shareholder Value. Aber was heißt das?

Gewinne, Gewinne, Gewinne – das schien in den vergangenen Jahrzehnten das einzige Ziel großer US-Konzerne gewesen zu sein. Egal, was es koste. Mal eben 10.000 Arbeitsplätze streichen? Warum nicht, wenn es der Gewinnmaximierung dient? Die Produktion nach Asien verlegen und Fabriken im Heimatland schließen? Muss leider sein. Sie wissen schon, Gewinne. Das sollte dem Aktienkurs zugute kommen und damit den Aktionären. Kurz gesagt: Shareholder Value.

Gewinne im Sinne der Aktionäre maximieren

So richtig Fahrt aufgenommen hatte diese Art der Unternehmensleitung 1997. Da hatten sich Firmenlenker aus den USA verpflichtet, künftig “in erster Linie” den Anteilseignern dienen zu wollen, wie Spiegel Online berichtet. Entsprechend der Devise des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman sollten zwar Gesetze und einige grundlegende Regeln eingehalten werden. Darüber hinaus ging es den Unternehmen aber nur noch darum, im Interesse der Anteilseigner (Shareholder) die Gewinne zu maximieren.

Das könnte sich jetzt ändern. Denn 181 Topmanager von US-Konzernen und großen in den USA tätigen Firmen haben sich darauf geeinigt, künftig Kunden, Beschäftigten, Lieferanten und Bürgern (Stakeholder Value) den Vorrang einzuräumen. Die Shareholder werden nur noch unter “ferner liefen” erwähnt. Mitgeteilt haben die Firmenlenker die neue Ausrichtung per Anzeige im Wall Street Journal.

Mit an Bord sind so illustre Namen wie Apple, Amazon, Goldman Sachs, SAP, Siemens, Bayer, Ford sowie Coca-Cola. Insgesamt bildet die Liste der 181 Unternehmen aber das Who is Who der wirtschaftlichen Elite ab. Jetzt sollen die Konzerne mehr positiv auf die Gesellschaft wirken. Dass die Mitarbeiter großer Konzerne sich wünschen, dass ihre Arbeitgeber Haltung zeigen, sieht man immer mal wieder bei Google. In einer Petition fordern derzeit Google-Mitarbeiter, dass ihr Unternehmen nicht mit den US-Grenzschutzbehörden zusammenarbeitet.

Kritik an Abkehr vom Shareholder Value

Aber ist es den Konzernen wirklich ernst mit ihrer Abkehr vom Shareholder Value? Kritiker bezweifeln das. Der Ex-Finanzminister Larry Summers etwa erklärte gegenüber der Financial Times, dass die Unternehmen sich damit vor allem vor Reformen bei der Besteuerung und Regulierung schützen wollen. Schließlich gehen die US-Demokraten im anstehenden Wahlkampf auch die großen Konzerne an. Gefordert wird etwa eine Zerschlagung von Facebook. Ebenfalls nicht sonderlich begeistert sind natürlich die Aktionäre, denen künftig möglicherweise ein Rückgang bei den Dividenden droht. Jetzt gilt es abzuwarten, ob und was die Konzerne an ihrer Agenda praktisch ändern.

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veröffentlicht von Redaktion

2 Comments

  1. […] des Investors dominieren, haben überdurchschnittlich gut performt. American Express und Goldman Sachs etwa legten jeweils um gut 25 Prozent an Wert zu. Auch die bis vor wenigen Jahren von Buffett eher […]

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  2. […] Geschäftsführer und Manager schließen im Normalfall sogenannte D&O-Policen (Directors’ and Officers’) ab. Mit einer solchen Managerhaftpflicht versichern sich die Führungskräfte gegen mögliche Forderungen seitens ihrer Unternehmen, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet. Weil die D&O-Versicherer in den vergangenen Jahren offenbar die Prämien für solche Versicherungen gesenkt, die Schadensfälle aber zugenommen haben, fallen jetzt tiefrote Zahlen an. […]

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