Einer Studie zufolge haben rund 3,8 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland 2018 nicht den ihnen zustehenden Mindestlohn erhalten. In einigen Fällen passierte die Umgehung des Mindestlohns über Überstunden.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat untersucht, wie oft Arbeitgeber in Deutschland den Mindestlohn nicht zahlen. Und das ist offenbar gar nicht so selten. Der Studie zufolge 3,8 Millionen Deutsche haben 2018 nicht den ihnen zustehenden Mindestlohn erhalten.

Überstunden verwässern Mindestlohn

Bei einem Teil davon sei die Umgehung des Mindestlohns über das Einfordern unentgeltlicher Überstunden erfolgt. Das heißt, dass die Arbeitnehmer zwar den Mindestlohn erhalten haben. Durch das Erbringen von nicht bezahlten Überstunden kamen sie insgesamt aber nicht auf die ihnen zustehende Lohnhöhe. Bei 2,4 Millionen deutschen Arbeitnehmern haben die Arbeitgeber laut DIW aber schlicht den vereinbarten Stundenlohn nicht gezahlt.

Dennoch sehen die Arbeitsmarktexperten positive Entwicklungen, wenn es um die Lohnentwicklung in Deutschland geht. Demnach seien die Bruttolöhne hierzulande zwischen 2013 und 2018 um mehr als acht Prozent gestiegen. Dabei ging es von 16,90 Euro auf 18,30 Euro bergauf. Die Einführung des Mindestlohnes 2015 habe zudem zu einem überdurchschnittlichen Anstieg bei den Gehältern der am wenigsten verdienenden Menschen gebracht.

DIW: Lohnschere schließt sich

Das, so Studienautor Markus Grabka, habe dazu geführt, dass die Lohnungleichheit in Deutschland abgenommen habe. “Die Lohnschere schließt sich langsam”, heißt es beim DIW. Der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor sei von 23,7 Prozent im Jahr 2015 auf 21,7 Prozent im Jahr 2018 zurückgegangen, wie stern.de berichtet. Aber: Immer noch bekommen 7,7 Millionen Beschäftigte weniger als zwei Drittel des Medianlohns.

Die vom Europäischen Gerichtshof geforderte systematische Erfassung der Arbeitszeit wäre ein wichtiger Schritt, unbezahlter Mehrarbeit bei Mindestlohn-Empfängern entgegenzuwirken. (DIW-Ökonom Johannes Seebauer.)

Das DIW fordert aber, dass alle Überstunden im Niedriglohnsektor auch bezahlt werden. Dazu beitragen soll die geplante Umsetzung der Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur verpflichtenden Erfassung von Arbeitsstunden. Die DIW-Studie basiert auf den Angaben von rund 16.000 Haushalten im Rahmen des jährlich durchgeführten Sozio-oekonomischen Panels.

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veröffentlicht von Jörn Brien

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