Wer in Deutschland mehr als 10 Millionen Euro erbt, braucht offenbar kaum Steuern zu zahlen. Der eine oder andere Millionen-Erbe geht laut Medienberichten sogar komplett steuerfrei aus. Das gilt offenbar vor allem dann, wenn man besonders hohe Summen erbt.

Ist Deutschland ein Steuerparadies für Multi-Millionen-Erben? Scheint fast so. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge zahlen Menschen, die 10 Millionen Euro und mehr erben, kaum Steuern. Die 600 “glücklichen” Deutschen mit einem Millionen-Erbe erhielten demnach 2018 zusammen 31 Milliarden Euro. Der Staat erhielt davon aber kaum einen Anteil.

Millionen-Erbe: Geringe Steuern “extrem ungerecht”

Denn auf ihr Erbe mussten neureichen Erben im Schnitt nur fünf Prozent Steuern zahlen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor. Komplett steuerfrei ging demnach ein großer Teil jener aus, die 100 Millionen Euro und mehr erbten. Zwei Drittel der 40 Erben ab 100 Millionen Euro zahlten gar keine Steuer auf ihr Erbe. Insgesamt belief sich der Steueranteil in diesem Größenbereich auf nur 0,2 Prozent.

Großerben zahlen laut den vorhandenen Daten nur etwa halb soviel wie Millionen-Erben, die zwischen einer und 10 Millionen Euro erbten. Die Linkspartei kritisierte die Praxis der geringen Besteuerung für Multi-Millionen-Erben scharf. Gegenüber der Süddeutschen sagte Linken-Chef Dietmar Bartsch, es sei “extrem ungerecht”, dass Kinder in Armut leben müssten, während superreiche Erben kaum Steuern zahlten.

Geringe Steuerbelastung für Firmenerben

Wirtschaftsverbände verteidigten dagegen die Ausnahmen für Unternehmenserben. Schließlich sei in diesem Bereich eine geringe Steuerbelastung die Voraussetzung für den Schutz zahlreicher Arbeitsplätze. Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge müssen Erben von Firmen meist weit weniger Steuern zahlen als etwa bei Wertpapieren oder Immobilien anfallen.

Aber: Die Ökonomen sind auch der Meinung, dass ein Millionen-Erbe auch im Falle einer Firmenübertragung höher besteuert werden müsste. Eine Erhöhung der Mindeststeuer für große Firmenvermögen ließe sich etwa dazu nutzen, die gebeutelte Mittelschicht zu entlasten, so das DIW. Auch die Bildungsausgaben für die ärmere Bevölkerung könne man anheben.

Die Bundesregierung könnte hier also durchaus ansetzen, um die Besteuerung von Erben gerechter zu gestalten.

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veröffentlicht von Jörn Brien

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  1. […] aktuellen Milliardärsranking von Forbes für 2019 landet Mateschitz mit einem geschätzten Vermögen von 18,9 Milliarden Euro übrigens auf Rang 53. Damit ist der Self-Made-Milliardär wohl […]

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