Seit zwei Jahren prangt auf einigen Produkten auf Amazons E-Commerce-Plattform das Label Amazon’s Choice. Damit scheint der Konzern auf den ersten Blick besonders empfehlenswerte Produkte auszuzeichnen. Doch der Schein trügt, wie ein Blick hinter die Kulissen zeigt.

Amazon’s Choice – dieses Label ziert seit 2015 in den USA und seit 2017 in Deutschland verschiedene Produkte auf Amazons E-Commerce-Plattform. Suggeriert wird damit, dass ein Team von Amazon-Mitarbeitern bestimmte Produkte auf Herz und Nieren prüft und die besten den Kunden empfiehlt. Auch von einem möglichst günstigen Preis geht man als Kunde aus, wenn man das Label sieht. Aber weit gefehlt. Wie Welt Online zusammengetragen hat, hält das Siegel unabhängigen Überprüfungen nicht stand.

Choice-Label: Günstige Preise? Hohe Qualität?

Um das noch einmal klarzustellen. Amazon sagt nicht, dass hinter dem Choice-Siegel getestete und für gut befundene Produkte stecken. Aber der Kunde könnte davon ausgehen. Für die Verbraucherschützer der Verbraucherzentrale aus Nordrhein-Westfalen klingt Choice zudem nach günstigen Preisen. Im Test zeigte sich dann aber, dass bei einem Vergleich Amazons Marketplace fast immer teurer war als dieselben Artikel in den Firmenwebshops. Und das bei Produkten mit dem Bestseller-Fähnchen oder dem Choice-Label.

Das Portal Buzzfeed hatte zudem Schwächen in puncto Qualität bei mit dem Choice-Label ausgezeichneten Produkten in Amazons Webshop ausgemacht. Demnach soll etwa ein vom Hersteller als “recht ungenau” bezeichnetes Kinderthermometer mit dem Siegel versehen worden sein. Auch ein leicht knackbares Vorhängeschloss kam in den Genuss der Auszeichnung. Das Wall Street Journal hatte zuletzt sogar einen Energydrink mit Choice-Label entdeckt, der Inhaltsbestandteile hatte, die in den USA nicht zugelassen sein sollen. Mehrere Dutzend Produkte in allen Kategorien hätten demnach technische Sicherheitsstandard nicht erfüllt.

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Amazon’s Choice: Algorithmus statt Team-Bewertung

Laut Welt Online steckt hinter Amazon’s Choice übrigens kein Team, sondern ein Algorithmus. Amazon zufolge handele es sich dabei um eine Produktauswahl, von der Amazon glaube, dass sie Kunden gefallen könne. Der Algorithmus beachte bei der Berechnung viele Faktoren. Dazu gehören neben der Verfügbarkeit, der Qualität und der Rücksendequoten auch Preise und Kontaktmöglichkeiten.

Aller Kritik zum Trotz will Amazon an dem Choice-Label festhalten. Bei möglichen Verstößen gegen Richtlinien oder wenn die Standards nicht erfüllt werden, werde das Label entfernt, versicherte Amazon. Die Formel ist derweil geheim. Natürlich dient das der Vorbeugung gegen Manipulationen. Schließlich ist es für Händler wertvoll, wenn ihr Produkt das Choice-Label trägt. Beobachter meinen jedenfalls, dass Amazon’s Choice eine Vorbereitung auf die E-Commerce-Zukunft ist. Diese soll vor allem via Sprachbefehl erfolgen. Etwa: “Alexa, welches USB-C-Kabel kannst du mir empfehlen?”

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veröffentlicht von Jörn Brien

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