Der Onlinehandel boomt, entgegen anderslautenden Meldungen in der jüngsten Vergangenheit. Dies wäre für die Unternehmen gut, wenn sich aktuell nicht der Effekt einstellen würde, der schon vor dem letzten Weihnachtsgeschäft diskutiert wurde. Die Paketdienstleister, allen voran DHL, kommen an ihre Kapazitätsgrenzen.

“Es haben uns verschiedene Händler extrem besorgt angerufen, weil Paket-Logistiker wie DHL die zusätzlichen Abhol-Fahrten beim Händler ersatzlos storniert haben”, sagt BVOH-Präsident Oliver Prothmann besorgt. “Hätten die Paketdienstleister rechtzeitig auf den Engpass hingewiesen, hätten die Händler den Verkauf drosseln können. Jetzt stehen die gepackten Pakete beim Händler und werden nicht ausgeliefert.”

Das bedeutet, dass die Einkäufe der Verbraucher nicht beim Verkäufer abgeholt und in die Verteilzentren gebracht werden. Somit verzögert sich die Auslieferung an den Käufer um mehrere Tage.

DHL holt keine Pakete mehr von Händlern

DHL war auf Anfrage leider zu keiner Stellungnahme bereit. Auf der offiziellen Coronavirus-Webseite sagt die DHL: “Bisher gibt es keine wesentlichen Einschränkungen unserer Dienstleistungen in Deutschland. Aufgrund der aktuell hohen Paketmenge kommt es teilweise zu Verzögerungen bei der Auslieferung von Sendungen.”

Dem entgegen sprechen die E-Mails, die DHL gestern an Händler in ganz Deutschland verschickt hat:

“Leider müssen wir Ihnen heute aber mitteilen, dass wir trotz erheblicher Kapazitätssteigerungen nun für den morgigen Tag zu einer drastischen Maßnahme greifen müssen, um sicherzustellen, dass wir unseren Betrieb im Paketzentrum Feucht nicht längerfristig gefährden. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir morgen keine Abholung Ihrer Pakete durchführen werden, um die gewonnene Zeit und Kapazität für eine dauerhafte Stabilisierung unserer Produktion zu nutzen.”

“Die Sonderfahrt zu Ihrer Logistik, die für heute bestellt wurde, wurde abgelehnt. Des Weiteren hat Ihre bestellte Sonderfahrt nur die Hälfte an Rollcontainern mitnehmen können, da im Moment keine Kapazität in den einzelnen Paketzentren mehr vorhanden ist. Ihre Sonderfahrt für den Rest der Woche wurde aus denselben Gründen storniert.”

“Es ist in keiner Weise zu akzeptieren, dass die DHL in der aktuellen Situation, nach vier Wochen Lockdown, nicht in der Lage ist, die Kapazitäten richtig zu planen. Die KMUs im Onlinehandel mussten auch extreme Anpassungen vornehmen, um den Bedarf für den Verbraucher zu decken. Es gibt keine Ausreden wegen mangelnden Kapazitäten bei Transport oder Personal. Hier kann es sich nur um Fehlplanung handeln”, sagt Oliver Prothmann.

Weiterlesen:  dm-Paketservice: Drogeriemarkt mutiert zur Annahmestelle für Online-Einkäufe

DPD und GLS haben ebenfalls Engpässe

DPD und GLS haben bestätigt, dass es einen starken Anstieg bei der Abfertigung vom Paketvolumen gibt, aber bisher keine Engpässe zu vermelden sind. Die Meldungen von verschiedenen Händlern, dass bei DPD die Pakete vor den Verteilzentren länger als bisher auf den sogenannten ersten Scan warten, wollte uns Pressesprecher Rey nicht bestätigen.

Entlastungen durch Lockdown

Aufgrund des Lockdowns durch das Coronavirus ist es bei der Auslieferung von Paketen an die Verbraucher zu Entlastungen gekommen, weil die Quote der Erstzustellung stark angestiegen ist und der geringere Verkehr in den Städten eine schnellere Lieferung zulässt. Des Weiteren wurden auch die Auslastungen der Verteilzentren durch den Wegfall von großen Mengen an B2B-Warensendungen reduziert. Die aktuelle Lage scheint aber nicht dazu zu führen, dass DHL und DPD Schwierigkeiten bei der Einlieferung in die eigenen Verteilzentren hat.

Pressemitteilung des Bundesverbands Onlinehandel vom Donnerstag, den 16. April 2020.

Ebenfalls interessant: Pakete per DHL werden ab Januar teurer

Anzeige

veröffentlicht von Redaktion

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.