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Minuszinsen: Immer mehr Banken verlangen Negativzinsen auf geringe Guthaben

Minuszinsen

Minuszinsen. (Foto: wir_sind_klein/Pixabay)

Minuszinsen sind für Verbraucher dann eine feine Sache, wenn sie gerade einen Kredit aufnehmen. Denn dann zahlen die Bankhäuser im besten Fall sogar für die Aufnahme eines Darlehens Zinsen. Weniger schön sind allerdings diese Negativzinsen oder Strafzinsen, die Banken zunehmend von Kunden für die Verwaltung ihrer Einlagen erheben. Und die Minuszinsen gibt es immer öfter schon ab relativ geringen Guthaben.

Was sind Minuszinsen/Negativzinsen und wer muss zahlen?

Seit 2016 erhebt die Europäische Zentralbank (EZB) negative Zinsen auf Bankanlagen. Das heißt, Banken, die ihr Geld bei der EZB deponieren, müssen der EZB dafür einen gewissen Prozentsatz abgeben. Zunächst lag die Höhe dieser Minuszinsen bei 0,4 Prozent. Der Satz wurde 2019 auf 0,5 Prozent erhöht.

Für Bankkunden hat das insofern Relevanz als immer mehr Banken diese „Gebühren“ an ihre Kunden weitergeben. Dies passiert nicht immer über das Erheben von Strafzinsen, auch die Einführung oder Erhöhung von Kontoführungsgebühren ist ein beliebtes Mittel, sich die eigenen Ausgaben zurückzuholen.

Zunächst traf das vor allem besonders wohlhabende Bankkunden. Erst bei Guthaben in einem sechs- oder siebenstelligen Bereich fielen Gebühren an. Seit Neuestem sind aber auch immer öfter private Kunden betroffen, also Menschen, die nicht übermäßig viel Geld auf ihrem Spar-, Tages- oder Girokonto haben.

Bisher gilt allerdings in vielen Fällen, dass die Negativzinsen vor allem Neukunden berechnet werden. Sollten doch einmal Bestandskunden betroffen sein, muss die Bank die entsprechenden Kunden darüber informieren. Dann haben die Bankkunden die Möglichkeit, sich ein anderes Finanzinstitut zu wählen.

Minuszinsen – ab welchem Guthaben fallen sie an?

Mittlerweile beläuft sich die Grenze, ab der Banken für die Guthaben ihrer Kunden einen Strafzins berechnen, auf 100.000 Euro. Aber: Eine wachsende Anzahl von Kreditinstituten hat diese Grenze bereits deutlich nach unten korrigiert, nämlich auf 10.000 Euro. Einige wenigen Banken verbuchen den Minuszins auch schon ab dem ersten Euro.

Laut einer Untersuchung der Plattform Biallo.de berechneten im März schon rund 370 Banken in Deutschland Minuszinsen auch auf private Guthaben. Meistens beläuft sich der Strafzins auf 0,5 Prozent jährlich. Damit reichen die Kreditinstitute den von der EZB berechneten Einlagezins, der aktuell ebenfalls 0,5 Prozent beträgt, faktisch 1:1 an ihre Kunden weiter.

Insbesondere im Jahresvergleich zeigt sich, dass die Banken die Grenze für Minuszinsen/Negativzinsen zuletzt deutlich nach unten verschoben haben, wie tagesschau.de schreibt. Vor etwa zwölf Monaten belief sich das durchschnittliche Guthaben, ab dem Negativzinsen berechnet wurden, noch auf einer halbe Million Euro.

Heute hingegen beträgt der Durchschnittsbetrag nur noch 100.000 Euro. Die Tendenz geht zudem weiter nach unten. Wie erwähnt müssen manche Kunden schon ab 10.000 Euro Zinsen an die Bank zahlen.

Wie lassen sich Negativzinsen umgehen?

Wer ein Konto neu bei einer Bank eröffnen will, sollte sich zunächst darüber informieren, ob Minuszinsen anfallen. Wer diese nicht zahlen will, kann dann eine andere Bank auswählen. Alternativ ist auch der Wechsel zu anderen Anlageformen, statt etwa dem Sparbuch, möglich.

So kann man sein Geld auf Tages- oder Festgeldkonten anlegen. Eine weitere Möglichkeit sind sogenannte ETF-Sparpläne, die mittlerweile viele klassische Finanzinstitute aber auch günstigere Online-Broker im Angebot haben. Für risikofreudigere Anleger könnten natürlich auch der Kauf von Aktien oder Kryptowährungen eine geeignete Alternative zum klassischen Sparkonto sein.

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Nach Ansicht von Marktbeobachtern reichen die Banken die Strafzinsen auf Guthaben ihrer Kunden nicht nur deshalb weiter, um ihre eigenen Gebühren bei der EZB zu begleichen. Vielmehr ist es offenbar durchaus im Interesse der Kreditinstitute, ihre Kunden dazu bewegen, mehr auf alternative Anlageformen zurückzugreifen.

Schließlich dürften die Kreditinstitute an den Investitionen ihrer Kunden in Aktien und vor allem Investmentfonds nicht schlecht verdienen. Haben sie doch oft Provisionsvereinbarungen mit den entsprechenden Fondsgesellschaften.

Welche Banken erheben Negativzinsen/Minuszinsen – und wie viel?

Biallo.de zufolge erheben von 1.300 untersuchten Banken und Sparkassen in Deutschland rund 370 Institute mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich. Bei Firmenkunden sind es demnach sogar 420 Geldhäuser. Allein im März haben 50 neue Banken und Sparkassen die Erhebung von Minuszinsen eingeführt.

Genau 50 Banken gewähren nur noch einen Freibetrag von 10.000 Euro oder weniger, schlagen also ab dieser Grenze mit Minuszinsen zu. 22 Finanzinstitute erheben Negativzinsen schon ab dem ersten Euro.

Interessanterweise gibt es sogar mehrere Banken, die mehr als die von der EZB erhobenen 0,5 Prozent Strafzinsen erheben. So werden bei der PSD Bank Rhein-Ruhr für neu eröffnete Tagesgeldkonten ab 500.000 Euro Minuszinsen – bzw. „Verwahrentgelt“ – in Höhe von 1,00 Prozent pro Jahr fällig. Bei der Bank 1 Saar fallen Negativzinsen von 0,75 Prozent an – ab jeweils 10.000 Euro auf dem privaten Tagesgeld- und Girokonto.

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